TABULA RASA, series, gelatin-silver paper, 40 cm × 40 cm each, framed, 2019/2020, Installation views at galerie internshop Leipzig, 2021

ÅLAND, series, gelatin-silver paper, 60 cm × 50 cm each, 2017

Im Sommer 2017 Jahres verbrachte ich zwei Monate auf Kökar, Åland-Archipel, Finnland. Nur drei Prozent (63,5m²) der Insel Kökar besteht aus Landfläche, der Rest ist Meer mit felsig flachem Grundgestein, Meeresboden, Fischen, Wind und Wellen. Inmitten einer riesigen Masse von Wasser ragen die Häuser der 230 Menschen, die hier leben, heraus. 

Kökar besteht aus der Hauptinsel Kökar und der Nebeninsel Sommarön, sowie unzähligen kleine Inselchen, die der Hauptinsel Kökar vorgelagert sind. Ich habe mich während meines Aufenthalts mit der Besonderheit der Inselgruppe auseinandergesetzt und versucht, eine Vorstellung von dem Archipel zu bekommen. Mit meinem Fotoapparat ausgerüstet begann ich an den Rändern der Insel zu fotografieren. Meine Blickrichtung war immer auf das Meer gerichtet. Da Kökar zum Großteil aus Wasserfläche besteht, überlegte ich, wie es unter der Wasseroberfläche aussehen würde. Im Internet fand ich ein kleines Buch mit dem Titel „how to read an island“ von Michael Plejel. Michael Plejel lebt auf Kökar und zu meiner Frage fand ich folgendes:  

„Unten in der Wassermasse leben und bewegen sich unzählige Wesen. Würde man eine Hand voll Blasentang (im Volksmund Seeeiche) schütteln,  - ein wichtiger Lebensraum für Fische, Weichtiere und Krustentiere – könnte man 1.617 Herzmuscheln (5mm lang), 227 kleine Miesmuscheln, 219 Mollusken der Spezies eodorus uviatilis, 51 Märlkrabben, 47 Wasserasseln, 45 Erd- und Flussschnecken, 26 Flachwürmer (1cm), 12 Schwebegarnelen (3cm), 9 Köcherfliegen (4cm), 5 Ringelwürmer (5 cm) und 2 Sandgrundeln (7mm) ans Tageslicht befördern. Insgesamt macht das 2.251 Lebewesen ohne die Moostierchen (Bryozoa oder Polyzoa ), Spiral- und Tubewürmer, gelbe gemeine Strandschnecken und die Seepocken (kleine Krebstiere die, während sie auf dem Rücken liegen, mit ihren scharfen Kalkzapfen den Boden nach Nahrung abfegen) mitgezählt zu haben.“


In the summer of 2017, I spent two month on Kökar, Åland archipelago, Finland. Kökar has land and water areas. Merely three per cent (63,5 m²) of Kökar is island and the rest is the sea with bedrock, rocky shallows, seabed, fish, wind and waves. In the middle of an enormous mass of water the houses of around 230 people living on this island stick up. My idea was to get an idea of the countless small islets off the main island of Kökar. Equipped with a camera, I began to take photographs on the edges of the island. My line of sight was always directed to the sea.


»How to read an island« - Michael Plejel:

    »My home island of Kökar similarly has land and water areas. Here you can see that merely 3 per cent island and the rest is the sea with bedrock rocky shallows seabed fish, wind and waves. I live in the middle of an enormous mass of water where my home sticks up out of somewhat. Where are lots of beings living down there in the water mass. A single shake of a bladderwrack seaweed - an important habitat for shell, molluscs and crustaceans – can reveal 1,617 cockles (5 mm large), 227 small mussels, 219 molluscs of species eodorus uviatilis, 51 Märl shrimp, 47 water woodlice 45 molluscs of species Hydrobia ventrosa, 26 flatworms (1 cm), 12 opossum shrimp (3 cm), 9 sedge-flies (4 cm), 5 annelid worms 5 cm), and 2 fish of species Pomatoschistus minutus (7 mm). Altogether, making 2,251 individuals, not counting all the moss animals (Bryzoa), sinistral spiral tubeworms yellow periwinkle snails (Littorina littorea),and the barnacles (Balanidae) (small crustaceans that, while laying on their backs in the sharp cones of lime sweep in food with their legs).« 







Kökaratlas:

Die Umrisse der Inseln, die ich fotografierte, übertrug ich mit Hilfe eines Projektors auf Zeichenpapier. Das Ergebnis stellte ein Panorama der mich umgebenden Inseln dar. Anders als im geographischen Kartenmaterial, das Inseln immer in der Vogelperspektive abbildet, bildete ich die Inseln in der Frontalperspektive ab. Die Zeichnungen wurden zu der Grundlage eines persönlichen Atlas von Kökar, die ich ausgehend von dem Ort der Anreise (Hafen in Harparnäs) gegen den Uhrzeigersinn anordnete. Die letzten Zeichnungen sind Inselansichten von Hellsö, dem Ort, an dem sich die Künstlerresidenz befindet. Alle Zeichnungen habe ich zu einer Buchform gebunden.


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